Kies aus Puls war sehr gefragt

Heinrich Stöver bei der Arbeit. Im Hintergrund verläuft der Bahndamm von Puls nach Oldenborstel. Etwas weiter südlich liegt dann die Abzweigung zur Kiesgrube

Etwa 800 Meter hinter der Bahnstation Puls, Richtung Oldenborstel, lag zur Rechten die Kiesgrube. Von Puls aus kommend, konnten die Züge über ein Anschlussgleis das Abbaugebiet erreichen. 

Die Kreisbahn baute den Kies über das Anschlussgeleis nach beiden Seiten hin ab. Der Kies wurde als Bettungsmaterial, Baumaterial und nach Fertigstellung der Baulichkeiten und Ausbau des gesamten Streckennetzes als Ausbesserungsmaterial verwendet. Wenn mit der Zeit andauernde Regenfälle und der ständige Wind ihre Spuren am Bahnkörper hinterlassen hatten, kam die Stunde der Kreisbahnunterhaltungsarbeiter. Ein Zug mit Kies beladen fuhr dann die gefährdeten Streckenabschnitte ab, und von den Waggons wurde dann der Kies auf den Bahndamm geschaufelt. Auf diese Weise wurde laufend der ganze Bahnkörper der Kreisbahnstrecke ausgebessert.

Für den Bau der Strecke Hohenwestedt-Schenefeld wurde in der Gemeinde Puls unberechtigterweise von der Parzelle 66, Kartenblatt 7, Grundbesitzer Claus Fink, Kies entnommen.

Im Sommer 1914 hatte Claus Fink sein ausgemessenes Grundstück, nach eingehender Prüfung anhand einer vorgelegten Zeichnung, an die Gemeinde Puls verkauft. Leider hatte der Kreis es versäumt, bei der Kiesentnahme während des Bahnbaus die Erlaubnis vom Eigentümer einzuholen.

Die ausgemessene und von der Gemeinde Puls erworbene Fläche reichte nicht aus, um den Kiesbedarf während des Bahnbaus zu decken. Zwangsläufig erweiterte der Kreis die Kiesgrube und beanspruchte dabei weiteren Grund und Boden von Claus Fink.

Seit Beginn des Ersten Weltkrieges erfüllte Claus Fink seine Vaterlandspflichten beim Militär und hatte daher keine Möglichkeit, rechtzeitig bei der Bahnverwaltung oder dem Kreisausschuss zu protestieren. Erst im Juli 1919 machte er über Rechtsanwalt Dr. Köpke seine Rechte geltend.

Die Gemeinde Puls lehnte die Entschädigungsansprüche ab, da sie nur zur unentgeltlichen Hergabe des Landes für den Bahnkörper verpflichtet war.

In einem Schreiben vom 17. November 1919 bot der Kreisausschuss die Bildung einer unabhängigen Kommission zur Regelung der Entschädigungsfrage an.

Eine Kommission lehnte Claus Fink (Schreiben vom 12. Januar 1920) ab. Er wollte mit dem Kreisausschuss selber verhandeln.

Endlich, im Jahr 1920, konnte der jahrelange Streit beigelegt werden. Claus Fink erhielt eine Vergütung von 0,75 Mark pro Kubikmeter. Damit konnte der Fall „Kiesentnahme vom Grundstück C. Fink“ am 17. April 1920 zu den Akten gelegt werden.

Am 26. Oktober 1953 schloss Claus Fink den letzten Vertrag mit der Kreisbahnverwaltung über Kiesentnahme.

Auch heute wird dort noch Kies abgebaut. Nur hat die Kiesgrube den Besitzer gewechselt. Familie Holling betreibt weiterhin intensiv im Zusammenhang mit einem Renaturierungsprogramm den Kiesabbau.

Bilder und Texte aus dem Band "Rendsburger Kleinbahn" Schmalspur-Romantik von 1901 bis 1957 von Andreas Kerber. Geiger-Verlag Horb am Neckar 

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