Königs-Geliebte Wiebeke Kruse kommt aus Puls

Jan-Uwe Schadendorf (|.i.) in der Diskussion mit Dr. Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt, Vorsitzender der Detlefsen-Gesellschaft.

Christian IV. war zweifelsohne ein klassischer Renaissancefürst. Wie zu seiner Zeit durchaus üblich, gehörte dazu ein ausgeprägtes Beziehungsleben. Der dänische König hatte sieben Frauen und 22 Kinder im Laufe seines langen Lebens. Die mysteriöseste darunter war Wohl die aus einfacheren Verhältnissen stammende Wiebeke Kruse.

Im Rahmen eines Vortrages vor der Detlefsen-Gesellschaft referierte der Heimatforscher Jan-Uwe Schadendorf über die langjährige Geliebte des Königs. In einem einstündigen Vortrag präsentierte er den fast 50 Gästen im Hotel Tiessen seine neuesten Erkenntnisse.

Christian IV. wurde am 22.August 1596 in Kopenhagen zum König von Dänemark und Norwegen gekrönt. Im Jahr danach ehelichte er Anna Katharina von Brandenburg (1575-1612), die ihm drei Söhne gebar: Christian (1605-1647), Friedrich (1609-1670) und Ulrich (1611-1633).

Nach dem Tod seiner ersten Frau und mehreren Liebschaften heiratete der inzwischen 38-jährige König 1615 die 21 Jahre jüngere Kirsten Munk (1598-1658). Es War eine morganatische Ehe, das heißt die Ehefrau und deren Kinder Waren von der Erbfolge ausgeschlossen. Christian zeugte ein Dutzend Kinder in seiner Ehe mit Kirsten Munk. Trotzdem kam es am 10. November 1628 zum Bruch.

Wegen einer Affäre seiner Frau verbannte der König Kirsten Munk auf ihre jütischen Güter Boller und Rosenvold und tröstete sich mit einem der Kammermädchen seiner Gattin, mit Wiebeke Kruse. Ein knappes Jahr nach der ersten Begegnung gebar diese ihm im April 1630 ein Kind.

Bis zu seinem Tode 1648 blieb Wiebeke Kruse an der  Seite des Königs. Sie sollte ihn nur um zwei Monate überleben, „wahrscheinlich wurde sie vergiftet“, vermutet Jan~Uwe Schadendorf, „und alle Erinnerungen an sie bei Hofe beseitigt!“

Dies machte es bis vor kurzem sicherlich auch so schwer ihre genaue Herkunft zu ermitteln. „Bisher gibt es verschiedene Theorien“, so Schadendorf, aber seit 2011 ist die Herkunft der Wiebeke Kruse geklärt.

Ihr urkundlich nachweisbarer Bruder Heinrich Kruse war zunächst Verwalter auf dem Gut Drage und ab 1632 Hausvogt in Krempe. Er war 1629 Inhaber eines Kirchenstuhles in der Kirche im nahe gelegenen Hohenaspe und stiftete für die Kirche in Schenefeld im Jahr 1637 eine Altarumkränzung. Für dieses Jahr 1637 ist eine Urkunde vorhanden, die ihn und damit seine Schwester Wiebeke als Bruder beziehungsweise Bruder eines Claus Kruse in Puls nachweist. Die Familie Kruse ist spätestens seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Puls ansässig mit mehreren Besitzern des Namens Claus Kruse. Die Gemeinde  Puls liegt im Kirchspiel Schenefeld.

Diese Forschungsergebnisse sind im Kern bereits im umfangreichen Nachlass der Familienforscherin Nicoline Still († 1974) erkennbar, die im Stadtarchiv Itzehoe lagern, aber nie publiziert wurden. Jan-Uwe Schadendorf ist es zu verdanken, dass diese Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

„Die häufig genannte Herkunft aus Föhrden-Barl vom Hof des dortigen Hufners Hans Kruse ist urkundlich nicht belegt und wohl einer Legendenbildung aufgrund der Namensgleichheit und der örtlichen Nähe zuzuschreiben“, so Schadendorf. Diese Herkunft hat, so der Referent, durch den Roman Wiebeke Kruse der Johanna Mestorf (veröffentlicht 1866) nachhaltigen Eingang in die Ortsgeschichten gefunden und ist vielfach tradiert worden.

Damit ist die Herkunft von Wiebeke Kruse geklärt, wenn auch zum Leidwesen des anwesenden Bürgermeisters von Föhrden-Barl, wohingegen sich der ebenfalls anwesende Amtskollege (Jürgen Schmid) aus Puls sichtlich freute.

Bericht von Christian Boldt, Norddeutscher Rundschau Mittwoch dem 09. Jan. 2013

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